News

Liebe Mitglieder,

auch unser Verein ist bis auf weiteres von den durch die COVID-19-Pandemie verursachten Einschränkungen des öffentlichen Lebens betroffen.
Der Vortrag am 12. März und die Exkursion in den Harz im Juni mussten leider bereits abgesagt werden. Beide Veranstaltungen sollen aber zu gegebener Zeit nachgeholt werden.
Die nächste geplante Veranstaltung ist nunmehr unsere Jahreshauptversammlung, die am 20. Oktober 2020 stattfinden soll. Sobald verlässliche Planungen wieder möglich sind, werden wir Sie über die üblichen Kommunikationswege (Mail, Homepage, Rundbrief) zur Versammlung einladen und auch über unser weiteres Veranstaltungsprogramm 2020/2021 informieren.
Die Vorbereitungen für unsere nächsten Publikationen (Anika Magath: Der Spessart als Kulturlandschaft und das Aschaffenburger Jahrbuch, Band 34) laufen derweil wie gewohnt weiter. Sofort nach Erscheinen werden wir Sie hierzu jeweils gesondert unterrichten.
Wir wünschen Ihnen, dass Sie alle gesund bleiben und die Pandemie gut und wohlbehalten überstehen und wir sind Ihnen sehr dankbar, dass Sie auch in diesen schwierigen Zeiten Ihrem Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg e.V. verbunden bleiben.

Alles Gute und herzliche Grüße,

Klaus Herzog
namens des Vorstandes des Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg e.V.

Papier ist nicht geduldig! Bestandserhaltung im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg

Ausstellung vom 29. Juni bis 6. September 2020
im Schönborner Hof

Die historischen Dokumente des Aschaffenburger Stiftsarchivs werden seit dem letzten Jahr im Rahmen eines großen, mit Bundesmitteln geförderten Projekts umfassend konservatorisch behandelt und gesichert – und damit „fit für die Zukunft“ gemacht. Diese „Bestandserhaltung“ ist eine zentrale Aufgabe in Archiven.
In der Ausstellung werden ausgewählte Archivalien aus dem Stiftsarchiv und aus den anderen Arbeitsfeldern des Stadt- und Stiftsarchivs präsentiert: Mit welchen „Schadensbildern“ werden die Archivar*innen konfrontiert? Was ist „Tintenfraß“? Welche Gefahren bestehen bei einem Schimmelbefall in Archiven und Bibliotheken?
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht außerdem eine Präsentation des Arbeitskreises Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren, in der typische Schäden und Restaurierungsmethoden, aber auch geeignete Verpackungen und Lagerungsbedingungen vorgestellt werden. Einen spannenden Einblick in die Entstehung von Handschriften in Klöstern vor der Erfindung des Buchdrucks vermittelt die Schau „Im mittelalterlichen Skriptorium“.
Eine Ausstellung im Rahmen des Projekts „Stiftsarchiv Aschaffenburg: Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen an einem gefährdeten historischen Altbestand“ (Bundesbeauftragte für Kultur und Medien, Sondermittel zur Erhaltung des schriftlichen Kulturguts in Deutschland)
Mit Unterstützung des Allgemeinen Schul- und Studienfonds Aschaffenburg, der Firma Schempp Bestandserhaltung GmbH sowie des Arbeitskreises Nordrhein-Westfälischer Papierrestauratoren e.V.
Ausstellungsteil „Im mittelalterlichen Skriptorium“: Dr. Alice Selinger (Dreieich)

(Siehe Flyer)

Öffnungszeiten
Montag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr sowie an den Wochenenden, 4./5. Juli , 1./2. August und 5./6. September 2020, jeweils von 11 bis 16 Uhr
Eintritt frei

Es gelten zum Ausstellungsbesuch die aktuell gültigen Hygiene- und Abstandsregelungen

Nach mehr als 100 Jahren, Kaiserurkunde Ottos II. von 982 wiederentdeckt

Mit Abstand ältestes Originaldokument des Aschaffenburger Stiftsarchivs

Die Zeit der deutschen Kaiser aus dem Haus der „Ottonen“ ist seit fast 1000 Jahren passé. Ihnen folgten die Salierkaiser und die Staufer, die gerade im Süden Deutschlands im historischen Bewusstsein heute noch präsent sind.
Für die Entstehung des Stiftes St. Peter und Alexander in Aschaffenburg im späten 10. Jahrhundert, damit für die lange „Mainzer Zeit“ der späteren Stadt Aschaffenburg, ist allerdings Kaiser Otto II. (973-983) eine zentrale Gestalt gewesen. Seine Herrschaftsdokumente, Pergamenturkunden, sind eine große Seltenheit! Viele der wertvollen Dokumente sind im Lauf der Jahrhunderte verloren gegangen. Im Stadt- und Stiftsarchiv war bekannt, dass zwei Urkunden des Kaisers von 976 und 980 früher vorhanden, dann aber nicht mehr auffindbar waren. Eine weitere Urkunde des Kaisers war im Jahr 982 für das entstehende Aschaffenburger Kollegiatstift geschrieben worden. Der Kaiser ließ die Urkunde im süditalienischen Capua ausfertigen, wo er damals im Krieg mit den muslimischen Sarazenen verwickelt war.
Eine kleine Sensation für die Forschung ist es, dass nun nach weit über 100 Jahren dieses ottonische Originaldokument im Stiftsarchiv wiederentdeckt werden konnte! Im Jahr 1912 hatte noch ein österreichischer Forscher im Stiftungsamt das Original sehen können, irgendwann danach war die Urkunde nicht mehr auffindbar. Die „Wiederentdeckung“ gelang jetzt im Stadt- und Stiftsarchiv im Rahmen zweier aktueller Projekte für das Stiftsarchiv, in deren Folge der Gesamtbestand für Digitalisierung und Reinigung komplett durchforstet wird. Mit einem Schlag ist das älteste Original des Stadt- und Stiftsarchivs nun nicht mehr „nur“ aus dem 12. Jahrhundert, sondern gut 150 Jahre älter!
Der sensationelle Neufund hat auch eine große Bedeutung für die mittelalterliche Urkundenforschung. Das Archiv hat einen der Kenner des frühmittelalterlichen Urkundenwesens, Prof. Dr. Mark Mersiowsky (Universität Stuttgart), um eine Video-Stellungnahme gebeten. Die sehens- und hörenswerte Videobotschaft ist ab sofort aufrufbar unter diesem Link:  https://www.youtube.com/watch?v=tYVCrrsOxz4