Der Schönborner Hof – imposanter Bau mit kulturträchtigem Innenleben

Die großzügige Barockanlage ist markanter Ausgangspunkt, wenn man vom Main her kommend seinen Stadtrundgang durch Aschaffenburg beginnt. In der Nähe von Stiftskirche und Schloß gelegen, birgt der Bau eine Menge Geschichte, die man hier auch „erleben“ kann; denn hier haben das Stadt- und Stiftsarchiv, der Geschichts- und Kunstverein, das Naturwissenschaftliche Museum und der Gedenkraum der Graslitzer ihr Domizil gefunden.
Durch das mächtige Hauptportal mit seinen zwei ionischen, maskengeschmückten Säulen tritt man in den Innenhof. Im rechter Hand liegenden dreigeschossigen, kuppelbekrönten Turm befindet sich die ehemalige Hauskapelle der Schönbornschen Familie, nach der das Gebäude seinen Namen bekommen hat. Links liegt der Eingang zum Naturwissenschaftlichen Museum mit seiner großen mineralogischen Sammlung und den zahllosen Beispielen zur Fauna und Flora des Spessarts. Durch das Portal am Hauptflügel gelangt man in die Räume des Stadt- und Stiftsarchivs.

Das gesamte Erdgeschoß wird regelmäßig für Ausstellungen verschiedenster Art genutzt, die von der Dokumentation stadtgeschichtlicher und regionaler Historie bis hin zur Präsentation lokaler Künstler reichen. Auch die musealen Räume der Graslitzer Erinnerungsstätte befinden sich im Erdgeschoß.

In den Obergeschossen sind die Verwaltungsräume für Archiv und Geschichts- und Kunstverein untergebracht. Darüber hinaus die Landeskundliche Bibliothek mit über 70.000 Bänden, der große Leseraum mit Katalogen, Handbibliotothek, Regesten zu Ansässigmachungen, Urkunden, Heimatregistern und Nachschlagewerken, Stiftsarchiv und das Pressearchiv. Hilfsbereite Mitarbeiter, die den ersten Kontakt herstellen, geben gerne Auskunft, helfen und unterstützen bei Fragen, Recherchen und Forschungen jeder Art.

Publikationen können jedoch nicht nur (kostenlos!) ausgeliehen, sondern auch erworben werden. Broschüren informieren über die Publikationen unserer beiden Verlagsreihen und das weitere Angebot an Briefpapier, Postkarten etc.

Verläßt man den Schönborner Hof durch den Ausgang in Richtung Sandgasse (Fußgängerzone), führt der Weg zunächst über den Platz am Storchennest, so genannt nach dem „Haus Storchennest“, mit seinem wunderschönen Renaissancegiebel. Die Platzgestaltung ist ein Versuch, die Gesteinsformationen anhand geologischer Exponate der Spessartregion gartenarchitektonisch ins Blickfeld zu rücken.

Zur Geschichte des einstigen Schönbornschen Stadtschlosses

Erbaut wurde zunächst das „Haus Storchennest“, und zwar um 1600 für Faust von Stromberg und dessen Gattin, eine geborene von Hettersdorf. Die Türkenköpfe auf dem Renaissance-Giebel wurden zur Erinnerung an das fränkisch-würzburgische Dragonerregiment „Hedersdorf“, das gegen die Türken gekämpft hatte, angebracht.
Von 1673 bis 1681 erstreckte sich die Bauzeit für das repräsentative Stadtdomizil des Mainzer Obersthofmarschalls und Vizedoms (ab 1717) Melchior Freiherr von Schönborn und dessen Gemahlin Sophia von Boineburg nach Plänen des Kapuzinerpaters Mathias von Saarburg aus Mainz.

Im Jahre 1832 erwarb die Stadt den Schönborner Hof für die stattliche Summe von 22 000 Gulden, um hier das Appellationsgericht für den gesamten Untermainkreis, das später nach Würzburg verlegt wurde, unterzubringen.

Von 1875 bis 1906 wurden hier die „höheren Töchter“ in der Königlichen Weiblichen Bildungsanstalt mit Lehrerinnen-Seminar unterrichtet und auf ihr künftiges gutbürgerliches Leben vorbereitet.

Viele Institutionen fanden in diesem Bau ihr Domizil. So von 1913 bis 1926 die Städtische Sparkasse, im Ersten Weltkrieg Lazarett und Milchküche, von 1929 bis 1951 Stadtpost und Volksschule. Auch Sozialwohnungen wurden von der Stadt hier eingerichtet. So hauste im Kapellenturm „hoch über der Stadt“ ein bekanntes Aschaffenburger Original, der „Kapperich“, bis zu seinem Freitod. Ihm hat man direkt neben dem Schönborner Hof ein kleines Denkmal gesetzt.

1944/45 schlug der Zweite Weltkrieg der Stadt Aschaffenburg tiefe Wunden und auch der Schönborner Hof blieb nur als Ruine zurück. Nach dem Wiederaufbau wurden hier verschiedene Behörden untergebracht, so die Polizei, die Kripo, das Melde- und Paßamt.

In den Jahren von 1958 bis 1968 drückten im Schönborner Hof die Schüler der Oberrealschule die Schulbank, bevor dann 1970 das Naturwissenschaftliche Museum Einzug hielt. In einem Flügel waren von 1968 bis 1980 noch Hauptschulklassen der Brentanoschule untergebracht.

Nach einem völligen Umbau fand nach Jahren der Raumenge in verschiedenen Gebäuden, zuletzt am Marktplatz 2, das Stadt- und Stiftsarchiv hier eine geeignete Unterkunft, die auch noch in künftigen Jahren genügend Platzangebot für die Unterbringung von Archivalien, Zeitungen und so weiter bietet.