Donnerstg, 13. Oktober 2026, ca. 20.15 Uhr
im Anschluss an die Mitgliederversammlung
Schönborner Hof, Haus Storchennest
Vortrag von Daniel Schleusener: Die Philo-Loge des B’nai B’rith in Aschaffenburg (1925–1935)
Der Orden B’nai B’rith – „Söhne des Bundes“ – war im frühen 20. Jahrhundert eine der bedeutendsten jüdischen Vereinigungen im deutschsprachigen Raum: freimaurerähnlich in Struktur und Ethos, bürgerlich in seiner Mitgliedschaft, humanistisch in seinem Selbstverständnis. Am 11. Januar 1925 wurde in Aschaffenburg eine eigene Loge gegründet, genannt Philo-Loge. Bereits im September desselben Jahres weihte sie ihr eigenes Logenhaus in der Lamprechtstraße ein. Diese Loge wird nun zum ersten Mal systematisch erforscht.
Die Mitglieder waren angesehene und einflussreiche jüdische Bürger Aschaffenburgs. Was folgte, war ein knappes Jahrzehnt bürgerlichen Vereinslebens, das in der menschenfeindlichen Stimmung Deutschlands der 1930er schon bald ein jähes Ende fand: 1933 durchsuchte die SA das Logenhaus, wenige Jahre später löste die Gestapo die Loge auf. Aus dem Logenhaus in der Lamprechtstraße wurde das „Andreas-Bauriedl-Haus“, der Sitz der NSDAP-Kreisleitung.
Der Vortrag stellt das laufende Forschungsprojekt zur Geschichte der Philo-Loge vor: Neben der Geschichte und Charakterisierung des Bundes B’nai B’rith wird vor allem das Umfeld der Philo-Loge beleuchtet. Wer waren ihre Mitglieder? Welche Rolle spielten sie im städtischen Leben Aschaffenburgs? Und was wurde aus ihnen? Dabei kommt auch die Forschungsperspektive nicht zu kurz: Schleusener beschreibt, welche Archive und digitalisierten Quellen es inzwischen zur Erforschung jüdischer Schicksale gibt und welche Partner und Institutionen sind im Umkreis für solche Projekte einsetzen.